Ostergruss 2021 Triduum

Ein geistliches Wort zu Ostern

Das österliche Triduum

Liebe Christinnen und Christen,

das „Triduum“, die drei österlichen Tage Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag (Osternacht) bilden den Kern des ganzen Kirchenjahres und seiner liturgischen Feiern. Diese drei heiligen Tage sind in Wirklichkeit nur eine einzige liturgische Feier. Wir feiern in diesen Tagen das Leiden, den Tod und die Auferstehung unseres Herrn.

Gründonnerstag

Der Name „Gründonnerstag“ kommt vom mittelhochdeutschen Greinen, Weinen, Klagen. Diese Namensgebung ist doppelt begründet. Zum einen ist dieser Tag ein Tag des Klagens über den beginnenden Leidensweg des Herrn. Zum anderen wurden in der frühen Kirche am Gründonnerstag die Büßer (die über ihre Schuld „Weinenden“) wieder in die Gemeinschaft der Kirche und in die Eucharistiegemeinschaft aufgenommen, aus der sie während der österlichen Bußzeit ab Aschermittwoch ausgeschlossen waren. Der Gründonnerstag schafft eine neue Mahlgemeinschaft aller Christen. Am Abend des Gründonnerstages kommt die Gemeinde zum Abendmahlgottesdienst zusammen. Christen versammeln sich zur Feier der Eucharistie und denken dabei in besonderem Maße an den Ursprung dieser Feier. Sie feiern gleichsam den „Geburtstag“ der Messe. Dankbar erinnern sie sich daran, dass sich Jesus dienend für die Menschen hingegeben hat und sich ihnen immer wieder im Brot schenkt. Er, der Herr, ist uns Brot zum Leben. Mit dem Gründonnerstag aber beginnt auch der Leidensweg Christi. So schweigen nach dem Gloria als Zeichen der Betroffenheit und Trauer Glocken und Schellen bis zur Osternacht („Die Glocken fliegen nach Rom“), auch die Orgel verstummt. Solches Verstummen drückt aus, dass mit dem Leiden und Sterben Jesu aller Wohlklang in der Welt aufhört.

Karfreitag

Der Karfreitag ist der „Leidens-Freitag“. Wir gedenken des Leidens und Sterbens Jesu für uns. Das Hören der Leidensgeschichte und die Deutungen des Leidens Jesu durch die alttestamentliche Lesung des Propheten Jesaja (Gottesknechtlied) führen Christen zu dem Bekenntnis: Jesus ist der von den Propheten angekündigte leidende Gottesknecht, der sich stellvertretend für die Menschen hingibt. Der Sohn Gottes, das Wort Gottes an uns, hat sich erniedrigt, ist in die tiefste menschliche Krise hinabgestiegen und hat den Tod erlitten. Das Kreuz stellt das Zeichen tiefster Erniedrigung dar, wird aber zugleich durch das Eingreifen Gottes zum Ort der Erhöhung und der Bestätigung des Sohnes Gottes. Das Kreuz ist demnach zugleich Zeichen des Scheiterns Jesu an der Hartherzigkeit der Menschen und ebenso das Zeichen des Sieges über den Tod. Der Karfreitag stellt nicht allein Erinnerung an früheres Geschehen dar. Er verbindet das Leiden Jesu mit dem Leiden der Menschen heute. So erhalten wir von Christus die Kraft, unser Leid, unser Kreuz zu tragen, wir schöpfen aus dem Glauben neue Hoffnung.

Osternacht

Die Feier der Auferstehung Jesu in der Osternacht ist das Hauptfest der Christen und der Mittelpunkt des gesamten Kirchenjahres. In diesem Gottesdienst versammelt sich die ganze Gemeinde, um die Mitte ihres Glaubens miteinander zu bekennen: „Christus ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!“ In Anlehnung an das jüdische Paschafest mit seiner Erinnerung an die Errettung des Volkes aus der Knechtschaft Ägyptens wird im christlichen Pascha der Hindurchgang Jesu durch Leiden und Sterben zur Auferstehung erzählt.

Die Liturgie der Osternacht ist die „Mutter aller Gottesdienste“ im ganzen Jahreskreis. Die Leidensgeschichte ist nicht das Letzte, das Christen über Jesus erzählen. Wir bekennen vielmehr, dass Gott seinen Sohn nicht im Tod gelassen hat. So gilt unser freudiges Loblied dem Leben schaffenden und Leben erneuernden Gott. Das Halleluja ist das österliche Lied der Christen. Der Herr ist auferweckt worden, deshalb freuen wir uns. Die Feier der Auferstehung Jesu stellt nicht nur eine dankende Erinnerung an damaliges Geschehen dar. Sie hat eine unmittelbare Bedeutung für die Menschen heute. Christus ist der Erste, die an ihn Glaubenden folgen ihm nach.

Wie Christus gestorben ist, so werden auch wir sterben. Wie Christus von Gott auferweckt wurde, so werden auch wir neues Leben von Gott erhalten. Die Osternacht ist der Gottesdienst, in dem sich die christliche Hoffnung konzentriert erzählt. Mehrere Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament zeigen beispielhaft Stationen der Heilsgeschichte auf und vergegenwärtigen das Handeln Gottes mit Menschen durch die Geschichte hindurch. Der Gott, der damals Leben schuf und befreite, schafft und befreit auch heute. In der Freude über die Auferstehung feiern wir dankbar das Mahl des Herrn. Sooft wir des Leidens, des Todes und der Auferstehung in der Eucharistie gedenken, entfaltet sich darin die unfassbare Wahrheit: Gott hat die Menschen geliebt, und er liebt sie, auch wenn sie es nicht wissen und wissen wollen. Gott rettet die Menschen durch die Hingabe des ewigen, menschgewordenen Sohnes.

Ganz herzlich laden wir Sie darum ein, dieses Fest durch die Kar- und Osterliturgie gemeinsam zu feiern – ob in unseren Kirchen oder digital zu Hause!

Im Namen aller Seelsorgerinnen und Seelsorger,

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

wünsche ich Ihnen und Ihren Familien

ein frohes und gesegnetes Osterfest 2021.


Georg Pützer, Pfarrer

Pfarrverband Bonn-Süd

 
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