Weltjugendtag  in Madrid

2012_12_173(10.-22.08.2012)
Ein unvergessliches Erlebnis

Vom 10.08. bis zum 22.08.2011 waren wir, 25 Jugendliche, mit Pater Jacek, Pater Josef, Diakon Michael Kaluza und Klaus Heeb in Spanien. Zuerst eine knappe Woche in Barcelona und später beim eigentlichen Weltjugendtag in Madrid.                                                     .

Nachdem wir uns von unseren Eltern, Geschwistern und Freunden verabschiedet hatten, fuhren wir gegen 21 Uhr los. Die Fahrt war überraschend angenehm. Es wurde regelmäßig gebetet, gesungen, Pause gemacht und geschlafen. Alles in allem eine sehr angenehme Fahrt! Wir bekamen außerdem die ersten Pilgerutensilien, unter anderem eine Prayerbox, in der sich ein winziges Fläschchen Weihwasser, ein Fingerrosenkranz und die wichtigsten Gebete in mehreren Sprachen befanden. Ein Highlight war allerdings unser Pilgerhut, den alle Deutschen bekamen. Er war überraschend schick (und später auch sehr begehrt). Zudem gab‘s auch noch zwei Gebet- und Liederbücher. Ein offizielles und eins von der Diozöse.

Gegen 15 Uhr am Nachmittag kamen wir endlich in Barcelona an, nachdem der Bus eine gefühlte Ewigkeit quer durch Barcelona gefahren war. In Barcelona waren wir in einer dreiteiligen Turnhalle untergebracht. Wir hatten genügend Platz und fühlten uns dort auch recht wohl. Anschließend hatten wir Freizeit. Einige von uns gingen in die Stadt, andere an den Strand. Abends war noch eine Messe. Eigentlich hatten wir keine große Lust, schließlich waren wir gerade erst angekommen und wollten uns erst mal in Barcelona einleben. Glücklicherweise war die Messe sehr angenehm und echt in Ordnung. Allerdings waren noch nicht alle Pilger angekommen. Eine Gruppe hatte besonders Pech und sollte erst am späten Abend oder nächsten Morgen ankommen. Was haben wir nur für ein Glück gehabt!

Nach der Messe gingen einige zurück in die Unterkunft und andere machten sich  noch auf die Suche nach etwas Essbarem. Die erste Mahlzeit war nämlich das Frühstück am nächsten Morgen - und das war tatsächlich eine ziemliche Enttäuschung. Nachdem wir eine knappe halbe Stunde zur Essensausgabe gelaufen waren, standen wir noch eine ganze Weile in der Schlange, um dann zwei prall gefüllte Tüten Nahrungsmittel zu erhalten. So viel lässt sich sagen: Nach den zwei Wochen hatte keiner mehr Lust auf Weißbrot, Thunfisch-(salat) oder Tomatensuppe. Mit einem mehr oder weniger vollen Magen sind wir mit der Metro in die Stadt gefahren. Einige gingen mit in die Stadt, andere wieder an den Strand. Die Stadtgruppe besuchte eine Kirche oder Kathedrale. Sie war total überlaufen, aber trotzdem wirklich schön. Anschließend setzten wir uns auf die Stufen davor und aßen unser Lunchpaket. Dort spielte ein Straßenmusiker auf einer Gitarre und sang dazu. Er nahm auch Musikwünsche an. Als sich eine Gruppe südländischer Mädels ein Lied wünschte, stimmten viele Umstehende mit ein, und wir bekamen einen ersten Eindruck auf die Stimmung und die Freude der Weltjugendtagsbesucher. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung und wir verbrachten ihn gemeinsam am Strand. Am Abend war mal wieder Messe. Dieses Mal wurde sie musikalisch von Tobias und Tillman aus unserer Gruppe begleitet.

Am nächsten Tag stand der große Gottesdienst im Forum an. Wie immer war es voll und heiß in den Bahnen und man stand an jeder Ecke im Stau. Dennoch war die Stimmung durchgängig gut. Für unseren eigenen Sprechgesang, den wir während der kompletten Fahrt des öfteren sangen, ernteten wir häufig Jubel und Applaus. Wir kamen leider viel zu spät zur Messe. Das war aber nicht so schlimm, da wir sowieso schlechte Plätze hatten und die Messe undeutlich auf  Spanisch und Italienisch gehalten wurde und wir nur sehr wenig verstanden.

Im Anschluss an die Messe wollten wir allerdings noch nicht direkt weiter fahren, weil die Ausgänge und Metros ohnehin schon verstopft waren. Während wir warteten, lernten einige von uns Jugendliche aus Italien und Vietnam kennen. Es wurden die ersten Kontakte geknüpft und viele Fotos geschossen. Im Anschluss fuhren wir zurück zur Essensausgabe. Von dort ging es in das kleine, bekannte Dorf Montserrat. Montserrat liegt ungefähr eine Stunde Fahrt durch die kleinen Straßen der spanischen Berge entfernt.  Wir hatten ungefähr eine Stunde Zeit, um uns die kleine Stadt mit der berühmten Basilika anzuschauen. Viele von uns stellten sich in die wirklich lange Schlange vor der Maria an. Bis wir endlich an der Reihe waren, verging eine gute halbe Stunde. Dann hatten wir einen kurzen Blick auf die Maria und durften die Goldkugel in ihrer Hand berühren und mussten direkt weiter. Insgesamt war es ein schöner Ausflug, auch wenn er sehr hektisch war und wir kaum Zeit hatten, uns das kleine Dorf anzusehen.
 
Am nächsten Morgen brachen wir früh zur Essensausgabe auf, allerdings nicht ohne ein gemeinsames Gebet, um direkt danach die Messe in der Sagrada Familia zu besuchen. Die Sagrada Familia ist eine riesige Kathedrale in Barcelona. Das Besondere an ihr ist, dass sie noch gar nicht fertig ist. Um die Sagrada Familia betreten zu können, brauchten wir Eintrittskarten, denn die Messe war nicht öffentlich. Wir waren relativ spät dran und bekamen deswegen nur noch Plätze auf dem Boden, doch das war nicht weiter schlimm, denn die Kathedrale ist sehr modern und man konnte von jedem Platz die Messe über Flachbildschirme mitverfolgen. Ein Highlight war, dass unser Diakon das Evangelium lesen durfte. Die Messe wurde sogar aufgezeichnet, und wir versuchten unsere Fahne so zu schwenken, dass sie ins Fernsehen kam.

Nach der Messe machten wir noch ein gemeinsames Foto mit Joachim Kardinal Meisner. Allerdings waren wir nicht alleine, denn ein Tscheche schummelte sich in die erste Reihe (was auf dem Weltjugendtag Gang und Gebe war). Abends hatten wir in einer zentralen, etwas kleineren Kirche eine Art Vesper. Allerdings dauerte sie viel länger und war relativ unruhig, da ständig Leute rein und raus liefen. Zudem musste man ständig darauf aufpassen, dass einem kein Gepäck geklaut wurde, denn Spanien war voll von Taschendieben. Uns allen gefiel die Messe am Morgen erheblich besser. Am späten Abend feierten wir in den Geburtstag von zwei Mädchen unserer Gruppe hinein. Es war ein netter Abend und viele blieben bis in die frühen Morgenstunden wach.

Am Montagmorgen sind wir schon um 6 Uhr aufgestanden, haben aufgeräumt und fertig gepackt. Dann sind wir mit dem Bus nach Madrid gefahren. Wir hatten ziemliches Glück, kamen als erste an und konnten uns die besten Plätze in der Halle sichern. Der andere Bus, der schon in der Eifel hängen geblieben war, hatte erneut unglaubliches Pech und einen Totalschaden. Die Armen hingen stundenlang an einer ranzigen Raststätte in der glühenden Hitze fest, bis unser Bus erneut los fuhr, um die gestrandete Gruppe abzuholen. Am Nachmittag sind einige von uns ins Schwimmbad gegangen. Das Schwimmbad war ein reiner Segen. Es war schattig und das Wasser war kalt. Dort liess es sich, im Gegensatz zur prallen Sonne, wunderbar aushalten. Nach dem Schwimmbadbesuch bekamen wir unsere Pilgerrucksäcke. Sie waren Rot-Gelb und mit Pilgerbüchern, einem T-Shirt, einem Fächer, einem Hut und sogar einer Flasche alkoholfreiem Pilgerbier gefüllt.

Am Abend gab es das erste Mal während der Fahrt ein warmes Abendessen, denn wir bekamen für die gesamte Zeit in Madrid Essensgutscheine, die wir fast überall einlösen konnten. Zudem hatten wir ziemlich Glück, denn genau gegenüber von unserer Turnhalle war eine bekannte Fastfoodkette. Zum Abschluss des Tages fand noch eine kurze Andacht statt. Der Dienstag war sehr entspannt. Nach einem kleinen Frühstück liefen wir zur Metrostation und fuhren in die Innenstadt von Madrid. Dort teilten wir uns in Kleingruppen auf und hatten Zeit zur freien Verfügung. Wir nutzten die Zeit, um die Stadt zu sehen und vor allem um Leute kennen zu lernen, Fotos mit ihnen zu machen und kleine Gegenstände zu tauschen, denn es war eine Art Tradition beim Weltjugendtag, landeseigene Broschen, Anhänger und Fahnen zu tauschen. Zudem waren unsere Deutschlandhüte sehr beliebt.

Am Abend war die große Eröffnungsmesse. In Madrid waren wir nun aber endgültig zu viele, um in eine Kirche zu passen, also fand sie auf sämtlichen Straßen Madrids statt und wurde über große Leinwände übertragen. Leider war es sehr unruhig. Zugegeben, die Stimmung war sehr gut, allerdings bekam man von der Messe nicht viel mit. Es gab jedoch eine Sache, die uns allen ein wenig Sorge bereitete: Wir hatten Pater Josef bei der Messe nicht wieder gefunden und hatten Angst, dass er alleine den Weg zur Unterkunft nicht mehr finden würde. Zu unserer Überraschung trafen wir ihn im Fastfood¬restaurant gegenüber unserer Unterkunft. Er war bereits vor Ende der Messe zurückgefahren und hatte sich schon vor dem großen Ansturm etwas zu Essen gesichert. Wir waren ziemlich froh, dass er sich nicht verlaufen hatte und setzten uns zu ihm, nachdem wir uns auch in der Schlange angestellt hatten.

Wie jeden Morgen in Madrid gab es am Mittwochmorgen eine mehrstündige Katechese. Sie wurde immer von einem Bischof aus Deutschland in einer etwas abgelegenen Kirche gehalten. Wir waren immer schon sehr früh da, um noch Sitzplätze in der Bank zu bekommen. Die Katechesen waren bei uns ziemlich unbeliebt. Kaum einer von uns hat verstanden, weshalb wir extra nach Spanien fahren, um dann mit anderen Jugendlichen aus dem Erzbistum Köln in einer Kirche zu sitzen und uns einen Vortrag anzuhören. Das hätte man durchaus auch zu Hause machen können.

Wir haben es aber tapfer durchgehalten und uns auf den Nachmittag gefreut (und manchmal auch ein bisschen Schlaf nachgeholt...). Im Anschluss an jede Katechese gab es eine Messe. Diese waren meistens sehr nett und auch feierlich, da wir häufig mehr Priester und Diakone hatten als um den Altar passten. Nach der Messe sind wir mit den Bussen zu den umliegenden Metrostationen gefahren worden. Das Problem war, dass wir als Gruppe getrennt wurden und uns wiederfinden mussten. Zum Glück klappte das relativ zügig und wir gingen gemeinsam essen.

Am Nachmittag stand die Salesianerparty auf dem Programm. Wir hatten die Vermutung, dass es sich bei dieser Veranstaltung um einen langweiligen Empfang handeln würde, der nur unter dem Begriff „Party“ auftauchte, um uns Jugendlichen die Veranstaltung schmack¬haft zu machen. Umso größer war die Überraschung, als wir im Innenhof, in dem die Party stattfinden sollte, ankamen. Eine riesige Bühne, mehr als tausend Jugendliche und junge Erwachsene, die sich unterhielten, feierten, Gegenstände und Hüte tauschten und Spaß hatten. In Kleingruppen stürzten wir uns ins Getümmel und hatten viel Spaß, die neuen Leute kennenzulernen. In den Stunden, in denen wir auf dem großen Innenhof waren, merkten wir die Freude des Weltjugendtags besonders. Auch wir als Deutsche waren sehr beliebt, und viele Leute wollten Fotos mit uns machen oder unsere Hüte tauschen. Am Abend gingen wir noch gemeinsam essen und dann zügig ins Bett.

Der Donnerstag startete wieder mit der Katechese und der Messe. Am späten Nachmittag kamen wir in der Stadt an und mussten uns schon bald auf den Weg zum Begrüßungsgottesdienst des Papstes machen. Wie immer musste man sehr früh da sein, um noch einen guten Platz zu bekommen. Die Stimmung war wie bei allen Großveranstaltungen ziemlich gut, aber es war sehr, sehr eng und man musste besonders auf die eigene Tasche aufpassen. Als der Papst durch die Straßen fuhr, war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Danach hielt er noch ein Gebet, und dann machten sich schlagartig alle auf den Rückweg. Deswegen war es gar nicht so einfach, eine Metro in die Unterkunft zu bekommen. Schließlich haben wir es doch geschafft und haben den Abend ruhig ausklingen lassen.

Der Freitag verging und am Samstagmorgen fand eine Abschlussmesse in der Unterkunft statt, doch vorher mussten wir unsere Unterkunft räumen. Im Anschluss machten wir uns mit Isomatte, Taschen und dem Schlafsack auf den Weg in Richtung Metro. Von da aus fuhren wir in die Nähe des Flugplatzes „Cuatro-Vientos“. Dort lag noch ein Fußmarsch von circa einer Stunde vor uns. Es herrschte eine glühende Hitze, doch wir hatten Glück. Die Anwohner spritzten mit Schläuchen oder kippten ganze Eimer voller Wasser aus den Fenstern. Das war ein echt ein Segen. Auf dem Flugplatz war bereits alles voll, als wir ankamen. Diese Menschenmassen zu sehen war echt unglaublich! Wir schoben uns durchs Getümmel,  fanden aber leider keinen zusammenhängenden Platz für die ganze Gruppe mehr. Deswegen teilten wir uns auf. Wir warteten in der glühenden Hitze auf den Papst und vertrieben uns die Zeit unter den bistumseigenen Sonnenschirmen. Hätten wir die nicht gehabt, hätten wir den Nachmittag wahrscheinlich nicht überlebt.

Dann kam der Papst. Die Begrüßungsmesse sollte beginnen, doch es zogen tiefschwarze Regenwolken auf. Es war wie in einem Film. Zügig räumten wir unser Gepäck zusammen und verkrochen uns unter unseren Sonnenschirmen, die wir zu Regenschirmen umfunktionierten. Trotzdem wurden wir sehr nass und die Messe musste kurzfristig unterbrochen werden. Nachdem der Papst sich umgezogen hatte, ging es weiter. Anschließend verkrochen sich die meisten in ihren nassen Schlafsäcken und schliefen ein.

Am nächsten Morgen waren viele schon früh auf den Beinen. Schon nach kurzer Zeit kam der Papst in seinem Papamobil durch die Menge gefahren und wir waren sehr dicht dran. Bei dieser Messe hatten wir wirklich tolles Wetter, doch es gab keine Kommunion, da die Zeltkapellen am Vorabend durch den Sturm und den Regen zerstört worden waren. Auch nach der Messe war die Stimmung gut. Viele machten sich bereits auf den Rückweg, doch wir warteten knappe 2 Stunden, bis sich das Feld fast vollständig geleert hatte und genossen ein letztes Mal die spanische Sonne. Schließlich machten wir uns auch auf den Weg und pilgerten zur Unterkunft zurück, wo wir unsere Koffer in den Bus luden und, nach der wohl nötigsten Dusche in den 12 Tagen, in den Bus stiegen. Die Rückfahrt verging wie im Flug.

Unsere Mitreisenden aus Beuel und Umgebung waren vielen von uns ans Herz gewachsen, da wir auch in Barcelona und Madrid viel Zeit mit ihnen verbrachten. Da unser Busfahrer nicht nur Busse fahren konnte, sondern auch ein kleiner Stern am Musikhimmel war, wurde der Bus zur Karaoke-Bar. Bis kurz vor der Nachtruhe wurden Schlager aus den verschiedenen Jahrzehnten gesungen und die Stimmung war genau so gut wie auf dem Weltjugendtag selbst. Die Ankunft in Bonn war ein schwerer Abschied für alle. Es entstanden viele neue Freundschaften und man hatte sich an einander gewöhnt. Der Abschied war allerdings nicht für lange, da wir schon kurz darauf ein Nachtreffen in St. Nikolaus veranstalteten. Bei original spanischen Tapas und Pizzasuppe schauten wir uns eine Fotopräsentation an, die uns an die schöne Zeit erinnerte.

Vielleicht sind einige ja wieder beim nächsten Weltjugendtag dabei, der 2013 in Rio stattfindet, denn ein unvergessliches Erlebnis,  in spiritueller - oder auch menschlicher Hinsicht, war es auf jeden Fall. Schließlich hat man wohl bei keinem Ereignis der Welt sonst die Möglichkeit Jugendliche von allen Kontinenten kennenzulernen und so viel Herzlichkeit und Lebensfreude zu erleben.

Maja Braun, St. Elisabeth

(10.-22.08.2012)

 
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